Menschen retten ist Pflicht

Seit ca. 3 Wochen wird den Seenotrettern der NGO die Arbeit praktisch unmöglich gemacht. Sie werden sogar von offizieller Seite schwer denunziert, der Kapitän der «Lifeline», Claus-Peter Reisch, wurde sogar in Malta mittels vorgeschobenen Vorwänden verhaftet und angeklagt.
Die Stimmen, die den Rettern der NGO vorwerfen, gerettete Flüchtlinge in einen international anerkannt sicheren Hafen zu bringen, werden immer lauter und gehässiger, man fordert Strafen für ihre humanitäre Arbeit.
Nachfolgend werden die häufigsten Behauptungen widerlegt, mit denen die NGO konfrontiert werden.

Behauptung 1: Die NGO sollen die Menschen in den nächstgelegenen sicheren Hafen zurück nach Afrika bringen
Die Betonung liegt hier aber „sicher“, nicht auf „nächstgelegen“, wie viele Kritiker anmerken. Das Völkerrecht verbietet eine Fahrt nach Libyen, weil dort grausame Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Abgesehen davon, dass die Retter sich dadurch in direkte Lebensgefahr begeben, weil sie von der libyschen Küstenwache beschossen werden.
Die einzige andere Option ausserhalb Europas ist Tunesien. Dessen Hoheitsgewässer dürfen aber nicht angefahren werden ohne die Erlaubnis der tunesischen Regierung, welche sie bisher nicht gab.
Abgesehen davon mussten die Seenotretter den Code of Conduct von Italien unterschreiben, der sie verpflichtet, die Menschen selbst – also ohne sie einem anderen Schiff zu übergeben – nach Europa zu bringen.

Behauptung 2: Die Schiffe der NGO machen sich der Schlepperei mitschuldig
Das ist falsch. Oftmals ist die libysche Küstenwache selbst in das Schleppergeschäft verwickelt. Die NGO-Schiffe sind darum bemüht, nach dem Retten der Ertrinkenden und dem Bergen der Leichen die Boote zu versenken oder fahruntauglich zu machen, so dass man sie nicht wiederverwenden kann.
Oft wird aber das durch die Libyer mit Waffengewalt verhindert. Es wird sogar auf die NGO-Schiffe geschossen.

Behautung 3: Die NGO bringen die «Migranten» nach Europa
Richtig. Jedoch erst durch den Zwang der EU, den Code of Conduct zu unterschreiben (siehe Behauptung 1), kamen sie in die Situation, die Geretteten nach Europa bringen zu müssen. Wodurch sie gezwungen sind, geltendes Recht zu brechen, da sich private Schiffe eigentlich nicht mehr bewegen dürfen, sobald Flüchtlinge an Bord sind, um sie grösseren Schiffen wie Frachter oder Marineschiffen zu übergeben. Seit dem CoC fühlen sich die Behörden nicht mehr dazu verpflichtet.

Behauptung 4: Die NGO sind ein Pull-Faktor
Nein. Sie haben erst angefangen, Rettungseinsätze zu fahren, nachdem mehrere 10’000 Menschen im Mittelmeer aufgrund der Untätigkeit der EU ertrunken sind.
Zuerst sind die Menschen ertrunken, erst danach begannen die Rettungseinsätze!
Zum Retten in internationalen Gewässern ist im Übrigen jeder verpflichtet. Tut man dies nicht, drohen lange Haftstrafen, da man gegen das internationale Völker- und Seerecht verstösst!
Eine Studie der Universität Oxford und der Scuola Normale Superiore kommt zudem zum Schluss, dass die NGO-Schiffe keinen Einfluss auf die Anzahl der Flüchtlinge haben, die über das Meer wollen.

Behauptung 5: Die NGO bekommen Geld für ihre Arbeit
Falsch. Sie finanzieren sich durch Spenden. Dabei werden lediglich die Instandhaltung der Schiffe, Lebensmittel für Crew und die Geretteten sowie Ausrüstungsmaterial finanziert.
Tatsächlich ist es so, dass einige freiwillige Helfer vor dem persönlichen wirtschaftlichen Bankrott stehen. Einige haben den Beruf aufgegeben, um Leben zu retten, andere Spenden an Organisationen, obwohl sie selbst aktiv mithelfen.

Behauptung 6: Es kommen nur junge Männer über das Meer
Falsch. Der Anteil an Frauen und Kindern ist ebenfalls sehr hoch. Leider überleben aber eine solche strapaziöse Überfahrt vor allem die jungen Männer. Babys, Schwangere und Kinder sterben als erstes.
Es sterben auch Männer bei der Überfahrt. Nur die Stärksten überleben, ausser, man findet die Schiffbrüchigen rechtzeitig genug. Nichtsdestotrotz ist der Anteil der fliehenden jungen Männer erhöht, was darin begründet liegt, dass die Wahrscheinlichkeit zu überleben höher ist, um anschließend Asyl in Europa beantragen können und dadurch mit Hilfe des Familiennachzugs ihre Familien holen können.

Text: Volksverpetzer.de, Johann Pätzold; Bild: Anna Psaroudakis/SOS Mediterrane
Stand 10.07.18. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Links:
Das sind die Gesetze des Meeres (zeit.de)
Internationales Recht: EU muss Bootsflüchtlinge retten und aufnehmen (proasyl.de)
Verhaltenskodex der privaten Seenotretter – Übersetzung (sea-eye.org)

Quellen:
Warum bringen Seenotretter die Menschen nach Europa (volksverpetzer.de)
Menschen retten ist kein Verbrechen! (Johann Pätzold)